„Jung, dynamisch“ – und dann? Warum Stellenanzeigen oft ungewollt 30–40 % potenziell geeigneter Kandidaten aus ausschließen

„Wir sind ein junges, dynamisches Team“

Dieser Standardsatz findet sich (fast) jeder Stellenanzeige. Jung und dynamisch soll vermeintlich für aktiv, agil, offen, freundlich, Freude an und beim Job, ein gutes Betriebsklima, etc. stehen.

Es hört sich oftmals so an, als ob der Arbeitsplatz eine Erweiterung des „Freizeitfeelings“ ist.

Vor allem ältere Bewerber, die über  langjährige Erfahrung verfügen und diese einbringen könnten, fühlen sich wenig angesprochen, möglicherweise sogar ausgegrenzt. Die Bezeichnung jung und dynamisch grenzt leicht Fach- und Führungskräfte 45+ aus.

Die Realität

sieht oftmals so aus, dass es im Team Dynamiken gibt, die von den Teammitgliedern nicht positiv bewertet werden. Vor allem dann, wenn Dynamik bedeutet, dass Verantwortung nicht übernommen, sondern weitergegeben wird. Notwendige Strukturen nur bruchstückhaft bestehen und ein großer Teil der Dynamik auch als Fluktuation bezeichnet werden kann, sowohl bei jüngeren als auch älteren Teammitgliedern.

Die Frage,

die wir uns stellen sollten ist, ob ein kompetentes, offenes Team, das strukturiert arbeitet, gemeinsam Ziele erreicht, in dem Zusammenhalt und gegenseitige Unterstützung gelebt wird, möglicherweise ein attraktiveres Arbeitsumfeld bietet.

Es bietet für Nachwuchskräfte den unschätzbaren Vorteil, dass ausreichend Know-how vorhanden ist, von dem sie profitieren können. Klare Strukturen, die es ihnen ermöglichen, in die neue Aufgabe schneller und leichter hineinzuwachsen und Verantwortung zu übernehmen.

Für ältere Bewerber bedeutet es, dass Wissen und Erfahrung geschätzt werden, sie beim Einstieg einen Rahmen vorfinden an dem sie sich orientieren können und während der Einarbeitungszeit unterstützt werden.

Warum

scheuen sich viele Unternehmen von Struktur und Kompetenz zu sprechen? Weil sie Angst haben, dass Nachwuchskräfte Struktur als Einengung in ihrer persönlichen Freiheit empfinden und dadurch der Spaß zu kurz kommt? Weil sich Kompetenz langweilig, bevormundend oder „alt“ anfühlt?

Wenn wir ehrlich sind, wissen wir, dass Unternehmen nur wirtschaftlich erfolgreich sein können, wenn Strukturen vorhanden sind, an denen sich alle Beschäftigten orientieren können. Unternehmen brauchen die Kompetenz, das Wissen und die Erfahrung ihrer Mitarbeitenden, um innovativ und zukunftsfähig zu sein. Das gilt für die Techbranche genauso, wie für die Chemieindustrie oder Automotive.

Die Frage ist: warum kommunizieren die wenigsten Unternehmen dies offen? Aus Angst nicht als attraktiver Arbeitgeber zu gelten, zu wenige Bewerbungen zu erhalten, oder einfach nur, weil dies gerade den Mainstream verkörpert?

Wie machen Sie das in Ihrem Unternehmen: Sprechen Ihre Stellenanzeigen bewusst mehrere Erfahrungsstufen an – oder nutzen Sie noch die bekannten Standardformulierungen?